Jonson on Tour

08.09.2011

 

 

 

 

8. September 1982 – 8. September 2011

29 Jahre im Fahrzeug  Leben. 9817 Übernachtungen in Fahrzeugen stehen heute in meinem Tagebuch.

Eine Gedankenreise über die Leichtigkeit des  freien Lebens von Free-living Jonson

Heute ,vor 29 Jahren bin ich ausgezogen aus der heilen Welt. Raus aus der Betonschachtel. Rein in meinen selbstausgebauten VW Bus. Klein, damals schon uralt, aber mein. Seitdem gehts meistens recht ruhelos durch die Welt mit so allerlei Gefährten. Mal ne gute Bleibe, mal ein Umzug ins neue Heim…größer..Immer größer. Wie die reale Welt halt auch. Später, nach dem VW Bus kam ein LT 28 LKW. Der Ausbau war schnell erledigt, Sperrmüll rein und fertig. Keine Heizung, kein Licht..Teelichter werdens schon richten.. Kurz vor der Bundeswehr kommt der erste Düdo – Mercedes 508..riesig.. Kurzer Radstand, ohne Hochdach. Drinnen kann ich schon fast stehen, habe ein Wasserbecken, eigeneToilette und einen Kleiderschrank. Der Düdo ist uralt, schlecht gepflegt und mit seinen kleinen Fenstern nicht gerade ein Traum. Irgendwann bin ich mit dem in Paris mit Motorschaden liegengeblieben.8 Freunde dabei,…und jetzt? Also alle schieben und jeden „dicken“ Antrampen. Nach 7 Tagen Düdotrampen sind wir schließlich echt zu hause angekommen. Der kaputte Düdo ist noch lange mein Immobilie. Ein Zirkus kommt eines Tages daher und schiebt Schein für Schein für den Rosthaufen rüber …Ein neuer Düdo- auch schon 15 Jahre alt kommt als neue Hauptwohnung in mein Leben. Da ich ja auch lernfähig bin, diesmal einer mit langem Radstand und Hochdach.Dusche, Warmwasser, Gasheizung….Der Winter verliert seinen Schrecken…Wir bleiben ein langjähriges Paar. 3 mal Sahara, Nordkap, Portugal, Ostanatolien, Syrien, Jordanien.Der Düdo läuft und läuft…

Aber irgentwann ist auch damit Schluss.. Aus einer spontanen Eingebung heraus kaufe ich mir eine BMW GS 1100  Reisemotorrad und finde mich nach zwei Tagen  in Amerika wieder…. Weltreise mit einem Motorrad, ohne jemals vorher auch nur einen Meter auf Reise mit einem Motorrad gewesen zu sein. 18 Monate ist ein Zelt und der  Weg mein Zuhause..82000  Kilometer Abenteuer..

Zurück in Deutschland, ein Experiment.

Eine neue Firma zahlt meinen Umzug?????Was denn???und eine Wohnung für 8 Monate. Ich lebe wieder in 4 Wänden mit Fussbodenheizung, jedem erdenklichem Luxus und Lampen , die am Kabel baumeln, nicht aufgebauten Ikea Möbeln, hallenden Wänden. Nachbarn- alle schon Tot, ohne erkennbares Leben in sich…Kein Platz für Musik..Nichtmal Vögel zwitschern mehr..Keine erfrorenen Füße mehr. Keine leeren Gasflaschen mitten in der Nacht…Unglaublich-fließend Wasser und eine Badewanne-kahl. Das Bad einfach leer. Keine Freiheit mehr. Keine Ölfinger. Nichts….Bin ich auch schon Tot, wie meine Nachbarn?

231 Tage Einzelhaft- 24 Std Ausgangssperre…. Dann ists vorbei, das Experiment…Freiheit taucht wieder auf. Ich bekomme für ganz kleines Geld einen Mercedes 1622. Ein Bekannter hat einen super Adria Wohnwagen( auch schon 25 Jahre Alt) Beides feiert in einer 8 stündigen Prozedur Hochzeit. Damals nur mal schnell als Provisorium angelegt, erweist sich das „Kultmobil“ ungeahnter Qualitäten. Billig, leicht und Groß. Alles wird mal schnell umgebaut…Ein ewiger Prozess über 10 Jahre. Das Kulti bringt mich in 61 Länder der Erde. 613412km zusammengelebt…Was für ein Auto…Manche, die es kennen, sagen-was für ein Schrott.

Hässlich, klapprig, instabil. Beim Sahara Willi Treffen wirds zum schlechtesten Wagen in Deutschland gewählt…Die haben alle keine Ahnung…Zum „Lebensende“ der Ritterschlag der Reisenden. Das weit gereistestes Auto der DZG. Alle 5 Erdteile…nie eine richtige echte Panne, mal abgesehen von den tagtäglichen Reparaturen mit Tape, Silikon und Draht….Ich weiss–wenn ich mal Zeit habe , mach ichs gescheid.. Die Trennung ist kurz und Schmerzvoll. Stehe bei einem Freund , der einen Omnibus O302 hat und Schimpfe über so einen Bus. Zu groß, zu teuer, Rost usw. Am nächsten Tag Kauf ich mir eine Fahrbücherei O303 – 12m lang 18 Tonnen schwer….Wer soll das verstehen.

Jetzt wird ausgebaut. Endlich eine Luxusbude. Fussbodenheizung. Kachelofen 300 Liter Wasser, Französisches Bett. 3 Monate nur Schrauben und dann die erste Ausfahrt. Es soll nach Griechenland gehen. Mit einem Segelboot auf dem Anhänger. Naja- das Gespann ist 20,5 m lang. Auch eine Herausforderung.

8 Kilometer vor der Fähre in Ancona ist alles zu Ende. Ein Geisterfahrer sucht sich mich aus und beendet sein Leben in meiner Wohnung. Ich höre nur noch den Rettungshubschrauber. Mir bleibt das blanke Leben. Sonst nichts. Dessert Mike holt mich mit einem Sprinter Tage später in Ancona ab. In Deutschland räumt Moni für mich ein Zimmer aus. Eine Bleibe fürs erste. Klamotten trudeln ein von Freunden. Ich bekomme Hilfe von allen Seiten. Noch heute fallen Glassplitter aus einigen Büchern und Fotoalben.

Ein Magirus Deutz 160 ANW betritt die Bühne. Schon ausgebaut. Also,8 Stunden einräumen und zum Schock verdauen wieder auf Reise, zurück zum Ort des Crash. Auf  Tour durch Griechenland dann Umbauten ohne Ende. Wieder 3 mal Sahara. Naher Osten. Nordkap. Zwischendurch immer wieder Arbeiten in China. 5 Sterne Hotel. Mandarin Oriental-ein Traum..Nicht für mich. Es fährt so schlecht, so ein Hotel..Die Freundin zieht mit in den Magirus. Jetzt ist alles voll. Trennung von jeder Menge liebgewonnener Dinge. Es geht so mit dem Platz. Am meisten braucht der Hund…immer im Weg.

Ein Schindelholz Zirkuswagen taucht auf. Logisch, der Maggie hat ja ne Hängerkupplung und die soll man nutzen…Scheibchenweise der Umzug in die Villa. Platz ohne Ende, aber auch Gewicht und Spritverbrauch ohne Ende. Freiheitliebe kennt ab jetzt nur noch Parkplätze mit mindestens 30 Meter Länge und genügend Platz zum Rangieren….Der Radstand vom Magirus machen jedes Wendemanöver zum Albtraum.

Ein kurzer MAN 8/ 136 Allrad LKW kommt vorbei und darf nun sein einstiges tristes Bundeswehrleben mit Abenteuern als Zugmaschine aufpäppeln. Mit dem MAN gehts dann auch mal bisschen auf Tour. Nach 45000 km ist die kurze untermotorisierte MAN Liebe verblasst.

Bei Ebay wird ein DB 1217 Allrad LKW ersteigert. Passende Offroad Reifen finden sich am Därrtreffen. Den Aufbau steuert ein Freund von einem IFA 50 bei. Die neue Zugmaschine ist fertig und wartet auf Abenteuer. Erste Ausfahrten in die Hohe Tatra lassen Befürchtungen aufkommen. Der Dicke will und muss in die Sahara…..??? Hatten wir das nicht schon mal?? Ach ja! Wenn ich so rausschaue ists ganz deutlich. Der Winter kommt. Die Freundin hat 3 Monate Urlaub genehmigt…Der Dicke wird sein natürliches Recht auf Sand unter den Reifen bekommen…Ich höre Ihn Jeden Tag wiehern..Lass mich wegfahren..Die Fremde sehen..Brav bleiben. Nur noch ein paar Tage und Du darfst weiterziehen——und es wird so bleiben.

Die Sahara ists dann nicht geworden… Aber ich habe mir einen Traum erfüllt. Mit dem Zirkuswagen und dem 1217 er fahre ich für drei Monate in die Normandie und Bretagne..

Nach der Reise verkaufe ich den Zirkuswagen und ziehe in den LAK Shelter, der auf dem DB 1217 er montiert ist….Diese Kombi hält einige Zeit ganz gut durch..Wegen neuer Aufgaben muss ich jetzt allerdings eine Menge Kilometer fahren..Desswegen stelle ich den LAK Schelter auf einen Anhänger ,den ein Land Rover TD 4 ziehen darf..Damit gehts auch wieder auf einige interesannte Reisen. zb Kreuz und Quer durch die Pyrenäen. Der Freundin gefällt aber das kleine Fahrzeug ganz und garnicht… Sie steht auf MAN KAT…

Also wieder ein Umbau…Ein KAT, ex Bundeswehr speziall Offroad Truck mit 12 Tonnen und 260 Ps kommt her.. Dieselverbrauch jetzt 40 Liter auf 100 Kilometer. Auch mit diesem Fahrzeug erleben wir einiges auf Reise…Marokko lässt uns damit schon mal nicht Einreisen. Egal. Die Portugal/ Spanien Reise für 10 Wochen war auch nicht schlecht.

Wieder zurück in Deutschland stellen wir den LAK Schelter auf einen anderen Anhänger. Als Zugfahrzeug dient jetzt ein High Power Düdo DB 613.

Ich hatte schon lange den Traum von einem Kabe Wohnwagen.. Beste Qualität und eine einwandfreie Wohnung auf Rädern. Zufälligerweise ergibt es sich , das ich einen dieser rollenden Traumwägen gebraucht ergattern kann. Der Kabe wird für ein Jahr meine Wohnung, hält aber leider nicht was die Werbung verspricht..

An einem Tag ist der Umzug in einen MAN BDF 19 Tonnen 400Ps LKW erledigt…Das jetzige Zuhause…Auch mit diesem Truck wollen wir was erleben…Noch sechs Wochen, dann gehts damit auf Tour..Aber vorher wird der Aufbau umgebaut… Es ist wie immer.. Wagenleben heisst umbauen..Einen Aufbau planen und so lassen, ist nun nicht mein Leben.. Die Wohnung darf sich auch mit dem Täglichen freien Leben ändern..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer sich als “ Normal Camper“ neben mich stellen will, überlegt es sich meistens nochmal und dreht dann ab. Die Vollkasko Gesellschaft schaut oft auf freie Menschen wie auf Aussätzige, dabei Leben doch Sie  gerade Ihren Traum den soo viele auf Ihrem Womo stehen haben. (Lebe Deinen Traum und Träume nicht Dein Leben ).

Ich bin ein freier Mensch, weil ich wenig habe ( jedenfalls weniger als die meisten in Deutschland – nach „normalen“ Gesichtspunkten gesehen  ) und doch so unendlich viele Möglichkeiten.

Wagenleben————das Leben wagen.

Auf die nächsten Jahre.

 

Meine Reisen der etwas langsameren Art gibts unter:

http://www.traktorreisen.eu

 

Viel Spass beim Lesen und Träumen….. Jonson

2 Responses

  1. Und nächstes Jahr? Party? 🙂

    10. September 2011 at 08:26

  2. Herzliche Gratulation zu den 29 Jahren Wagenleben. Und alles Gute für die nächsten Jahre unterwegs…

    liebe Grüsse vom Muger

    9. September 2011 at 10:52